Zurück zur Breitbeinigkeit

Die geheimen Wünsche der Bundesliga-Clubs zur Jubiläumssaison

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Die Kollegen von whoateallthepies.tv berichten Spektakuläres: Als Real-Bösewicht Pepe nach seinem heftigen Zusammenprall mit Keeper Casillas im Spiel gegen den FC Valencia im Krankenhaus wieder zu sich kam, seien seine ersten Worte gewesen: „Mein Name ist Pablo, was mache ich hier?“.

Pepe heißt allerdings auch mit bürgerlichem Namen nicht Pablo sondern Képler Laveran Lima Ferreira, was also denkbar weit von „Pablo“ entfernt ist. Sollte also Pepe wie einst Miraculix durch Obelix´ Hinkelstein dank des Casillas-Crashs in eine andere Persönlichkeit geschlüpft sein? Es gibt bestimmt nicht wenige, die sich genau das durchaus wünschen würden. Man frage nach bei diesen ganzen Herren. Doch auch in der Bundesliga wären manche gerne nicht sie selbst. Wir haben vor dem Saisonstart mal den Persönlichkeits-Check gemacht.

Die mia-san-mia-Breitbeinigkeit in Form von gesteigertem Selbstbewusstsein ist dem FC Bayern abhanden gekommen. Die Neuzugänge sollen sie zurückbringen.

Der BVB wäre gerne Außenseiter im Titelkampf. Ist er aber ebenso wenig wie Pepe Pablo ist. Die Borussia wird – anders als vergangene Saison – darauf verzichten, die ersten sechs Spieltage nur herumzudümpeln und direkt Vollgas geben. Wenn auch am Ende nicht unbedingt die Meisterschaft steht. Die Außenseiter-Rolle in der Champions League darf der BVB allerdings annehmen, aber auch nur wegen der kümmerlichen Darbietungen des Vorjahres.

Der FCB hätte gerne, was Pepe bereits hat: den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses. In München befürchtet man nach dem Vize-Triple den psychologischen Knacks und den Verlust der mia-san-mia-Breitbeinigkeit früherer Tage. Die Neuverpflichtungen scheinen diese jedoch im Gepäck zu haben. Die Qualität des Kaders ist in der Breite groß wie selten – unabhängig vom Gelingen des Martinez-Transfers. Es darf an der Isar also wieder fröhlich rotiert und in allen Wettbewerben selbstbewusst gewonnen werden.

Schalke wäre gerne noch mal Meister. Doch da ist Pepe eher noch Pablo. Sie spielen zwar netten Fußball in Gelsenkirchen, haben junge Leistungsträger und das gewohnt hochemotionale Umfeld. Doch das haben Dortmund und München auch – und zwar in besser.

Gladbach wäre gerne Champions-League-Teilnehmer. Nachdem der Sowjet-Rekordmeister den Fohlen mal schön die Plüschohren langgezogen hat, allerfrühestens im nächsten Jahr. Immerhin.

Leverkusen wäre gerne cool. Die Marketing-Abteilung des Bayer-Konzern ackert seit Jahren wie verrückt, um dem Club ein (positives) Image zu verleihen. Als  „Werkself“ oder „Vizekusen“ hat man sich im Schatten des Bayerkreuzes positioniert. Das war jedoch genauso lässig wie seinerzeit Carsten Ramelows Versuch als Pop-Sternchen. Hyypiäs naturgegebene nordische Gelassenheit ist jedoch schonmal vielversprechend.

Der VfB Stuttgart wäre gerne wieder weniger schwäbisch. Doch nach einer zu teuren Personalpolitik und einem noch teureren Stadionumbau wird im Ländle Brauchtumspflege in Form gesteigerter Sparsamkeit betrieben. Nichtsdestotrotz steht eine anständige und vor allem eingespielte Mannschaft auf dem Platz, die in naher Zukunft wieder größere Sprünge zulassen dürfte.

Hannover wäre gerne schon 5 Jahre weiter. Langsam aber sicher etabliert sich 96 nahe dem oberen Tabellendrittel, ein Angriff auf die Champions-League-Plätze scheint aber noch sehr gewagt. Doch 2017 greift die von Manager Kind vorangepeitschte Modifizierung der „50+1-Regel“ und der Verein darf auf zusätzliche Gelder langjähriger Gesellschafter hoffen.  Aber, um H. Simpson zu zitieren, „das dauert noch, juhu.“

Wolfsburg wäre gern der Todesstern. Mit unendlichen Millionen ausgestattet hat Felix Magath seine Wandlung zum Darth Vader der Liga akzeptiert. Er kauft einerseits Horden an finsteren Profis (Pogatz, Felipe, Polak, Kyrgiakos), er raubt Publikumslieblinge (Naldo, Olic, Ochs), er verbannt Profis zu den Amateuren und will sie doch nicht verkaufen (Helmes) und er will wieder in die Champions League. Doch zum Superschurken reichts in diesem Jahr noch nicht ganz. Statt der Weltherrschaft gibt’s für den VfL aber immerhin die norddeutsche Meisterschaft.

Werder wäre gerne ein neues Werder.  Der Kader wurde komplett auf links gedreht. Doch am Rand stehen die gleichen Gesichter wie vor 14 Jahren und der Bremer Hurra-Fußball vergangener Tage ist auch wieder da. In der Vorbereitung Dortmund schlagen, im Pokal gegen Preußen Münster vier Stück kassieren. Ist ja auch nicht das Schlechteste.

Nürnberg wäre gerne für immer und ewig etabliert. Der FCN geht in sein viertes Erstliga-Jahr, Dieter Hecking steht kurz davor, dienstältester Club-Coach zu werden. Man könnte in Franken ganz gelassen in die neue Spielzeit starten, wäre da nicht das mahnende Jahr 2008. Damals stieg Nürnberg nach Platz 6 in der Vorsaison als amtierender Pokalsieger ab. Der Schreck steckt den Clubberern heute noch so tief in den Knochen, dass sie stets mit gesteigerter Vorsicht agieren. Und das ist gut, wo nach wie vor mehr Leistungsträger abgegeben als dazugekauft werden.

Hoffenheim wäre gerne wieder aufregend. Als Aufsteiger spielten die Kraichgauer berauschenden Fußball und spalteten Fußball-Deutschland.  Jetzt sind sie nur noch langweilig, den meisten egal und mitunter etwas peinlich („Schall-Attacke“). Mit den Einkäufen wie Tim Wiese oder Eren Derdiyok erhofft man sich in Sinsheim wieder einen etwas höheren Unterhaltungsfaktor. Beim 0:4 gegen den Berliner AK ging dieser Plan jedenfalls schon voll auf.

Der SC Freiburg wäre wohl niemand lieber als er selbst. Es bleibt alles beim Alten und es scheint alles zu stimmen bei den alten Sympathie-Trägern von der Dreisam. Jedoch werden die ersten Stimmen laut, die dem SC die Rolle der Saison-Überraschung inklusive einstelligem Tabellenplatz zutrauen. Das ist zumindest etwas neu und vielleicht nicht zwingend gewünscht.

Mainz bleibt Mainz – und geht weiter seinen Weg“ schreibt das kicker-Sonderheft. Und das muss es ja wissen. Tatsächlich scheint Mainz inzwischen das zu sein, was es vor zehn Jahren gerne gewesen wäre. Regional beliebt, etabliert in Liga eins und finanziell halbwegs auf Rosen gebettet. Daran wird auch die neue Saison nichts ändern.

Augsburg hat sich nach geglücktem Klassenerhalt personell neu aufgestellt, wäre aber wahrscheinlich gerne ganz das Augsburg, das es zuvor schon war: ein Außenseiter, der durch leidenschaftlichen und taktisch disziplinierten Fußball die Klasse hält. Genau diesen Optimismus versprüht Neu-Coach Markus Weinzierl, der Blick auf den verbesserten Kader scheint ihm Recht zu geben.

Der HSV wäre gerne irgendjemand anders, egal wer, Hauptsache nicht der HSV. Die ewigen Streitereien in der Clubführung, die andauernde sportliche Misere, die anhaltend hohe Erwartungshaltung. Selbst das Dino-Dasein wird bei erneutem Abstiegskampf zur Zusatzbelastung. Da hat es wohl jeder Verein leichter. Trotzdem: Alles Gute zum 50.!

Fürth wäre gerne Nichtabsteiger. Kommt als sympathischer Liga-Neuling daher, ist nach x tragisch gescheiterten Aufstiegsversuchen endlich drin in Liga eins. Wird aber wohl direkt wieder runter gehen.Nicht zuletzt, weil Mike Büskens endlich nach Schalke will.

Frankfurt wäre nicht Frankfurt, wenn es nicht immer gerne jemand anders wäre: eine europäische Top-Adresse nämlich. Selbst als Aufsteiger redet Coach Veh schon wieder von der Zukunft auf internationalem Parkett. Auch da bleibt sich die Eintracht treu: Das gibt nichts.

Düsseldorf wäre gerne nie wieder drittklassig. Die Fortuna schien ganz zufrieden zu sein, mit dem, was sie jüngst wieder war: Zurück aus der 4. Liga, schuldenfrei, ungewohnt populär und unfassbar heimstark. Jetzt ist Düsseldorf erstmal größter Spielerumschlagplatz der Liga. Magath-Vergleiche verbittet sich Manager Wolf Werner jedoch energisch und verweist auf die Perspektive seine knapp 20 Verpflichtungen. Der vorübergehende Gang in die 2. Liga scheint dabei also durchaus und ganz uneitel in Kauf genommen zu werden. Muss er auch.

Um schlussendlich im Fall des armen Pepe Entwarnung zu geben: Die Ärzte attestierten ihm keine bleibenden Gehirnschäden. Die englischen Kollegen ergänzen nicht ganz zu unrecht: “Zumindest nicht mehr als er ohnehin schon hat”.

Bild: imago

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