Wie gerecht ist die Relegation?

Hertha und Fortuna in der emotionalen Warteschleife

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„Undurchlässigkeit“ ist eines dieser vielen Wörter, die entweder in wissenschaftlichen Randdisziplinen oder eben im Fußball-Deutsch auftauchen. Im Alltag benutzt das Wort kein Mensch. Im Fußball gelten manchmal gut stehende Abwehrreihen als undurchlässig, meistens jedoch werden Ligen wegen ihrer Auf- und Abstiegsregelung als mehr oder weniger undurchlässig kritisiert. Je mehr Auf- und Abstiegsplätze, desto durchlässiger. Die Bundesliga ist seit der Wiedereinführung der Relegation vor drei Jahren wieder zunehmend undurchlässig.

Von 1982 bis 1991 war das schon mal so. Zehnmal wurde da um den Platz an der Sonne gerungen, siebenmal setzten sich die bereits besser gebräunten Erstligisten durch. Es gab also durchschnittlich nur 2,3 Absteiger pro Saison. Nach der Wiedervereinigungssaison 1991/92 herrschte passenderweise nicht nur innerhalb Deutschlands sondern auch in der Bundesliga wieder mehr Durchlässigkeit. Es stiegen bis 2009 stets 3 von 18 Erstligisten direkt ab und entsprechend viele Zweitligisten auf. Wer am 34. Spieltag Dritter der 2. Liga oder 16. im Oberhaus war, hatte Klarheit und durfte entweder feiern oder eben Trübsal blasen.

Dem machte die DFL wieder ein Ende und schickt seit drei Spielzeiten wieder zwei Teams in die emotionale Warteschleife. Wie im “wirklichen Leben“ sollten auch da Trends der achtziger Jahre dummerweise wiederkehren. Dreimal gab´s seitdem Relegation, zweimal durfte der Erstliga-Club drin bleiben.

Unweigerlich branden da die Diskussionen um Gerechtigkeit auf. Ist das so in Ordnung, dass die Erstligisten potentiell profitieren? Wer hat Aufstieg, wer hat Abstieg verdient? Das lässt sich sicherlich nicht pauschal beantworten. Eine Antwort fällt da auch dieses Jahr schwer, wenn Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC antritt.

Nicht, dass sich einer zu früh gefreut hat…

Die Fortuna berauschte sich und eine darbende Fußball-Stadt. Sie legte eine geschichtsträchtig gute Vorrunde hin, blieb Ewigkeiten ungeschlagen und galt Weihnachten als der sichere Aufsteiger. Aber die Düsseldorfer kamen nicht gut über den Winter. Die Meier-Mannschaft gewann bis zum 34. Spieltag nur noch viermal und robbte sich in einem immer lahmer werdenden Aufstiegsrennen mit letzter Kraft und zwei Unentschieden auf Rang drei. Fortuna hat den Aufstieg dennoch verdient, mag man sagen.

Anders die Berliner Hertha: Sie machte einer darbenden Fußballstadt Mund wässrig, um sie dann maßlos zu enttäuschen. Als Aufsteiger mit viel Rückenwind und großen Zukunftsplänen in die Saison gestartet, rissen Irrungen und Wirrungen abseits des Platzes das so hoffnungsvolle Gebilde (Platz elf im Winter) wieder ein. Nach der Posse um den Abgang von Markus Babbel machte Michael Preetz mit der Verpflichtung von Michael Skibbe einen Fehler, den er arg bereute und auch unumwunden zugab. Otto Rehhagel sollte keine viel bessere und erst Recht keine Perspektiv-Entscheidung sein. Mit den 1. FCs aus Kaiserslautern und Köln gab es aber zum Glück der Berliner zwei Teams, die es den Hauptstädtern leicht machten, zu guter Letzt doch noch auf Rang 16 zu rutschen. Klingt verdächtig danach, dass Hertha den Abstieg verdient hat.

Aber letztlich scheint da die Relegation ein faires Angebot zu sein. Die Hertha kann zeigen, dass ihr vornehmlich Management-Stümpereien die sportliche Misere eingebrockt haben. Die Fortuna kann beweisen, dass sie die große Mannschaft der Vorrunde ist.

Bilder: imago

 

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