EM 2012: War doch ganz nett

Die EM ist um, die WM kommt – allerdings tief in der Nacht

Jubel-Spanier

„Wir schauen jetzt auf Brasilien, wir schauen jetzt auf 2014“, hieß es aus deutschen Kreisen nach dem Halbfinal-Aus. Eine Ansage, die nicht wirklich überrascht und so auch von jedem anderen Team kommen dürfte. Es sei denn, irgendjemand hat nach einem Sommer in der Donezker Steppe keine Lust auf das Turnier am Zuckerhut. Aber es besteht zu befürchten, dass selbst Spanien nochmal richtig Bock haben wird.

Vertrautes Bild: verdienter spanischer Jubel.

Alle Anflüge des leisen Verdachts, die „Furia Roja“ könnte irgendwie übersättigt sein, gehörten bei dieser EM spätestens nach dem hart erarbeiteten 1:0 im letzten Vorrundenspiel gegen Kroatien ganz tief in der Kiste mit Fehl-Prognosen verstaut. Da finden sich auch die Ideen, Italien würde wettskandal-gebeutelt nicht viel auf die Reihe bekommen. Oder dass Deutschland so weit wäre, Europa zu dominieren. Oder dass Holland reif sei für den Titel. Oder dass man ganz dringend mit den Gastgeber-Ländern rechnen müsse. Ganz unten in der Kiste liegt die Behauptung, die Ukraine könne keine Veranstaltung dieser Größenordnung ausrichten. Sie konnte. Ob sie sollte, steht auf einem anderen Papier.

Man darf festhalten: War doch ganz nett. Einer absolut prickelnden Vorrunde folgten K.o.-Spiele, die ganz okay waren, aber in einem Finale selten dagewesener Einseitigkeit mündeten. Ob das Turnier allerdings dadurch bereichert wird, dass 2016 in Frankreich acht zusätzliche Nationen teilnehmen dürfen, darf bezweifelt werden. Bereichert wird ganz sicherlich die UEFA, die bei der EM für ein anderes großes Ärgernis gesorgt hat. Live-Bilder wurden uns vorenthalten (politische Proteste, Flitzer, leere Sitze, Bengalos), andere wurden uns fälschlicherweise untergejubelt (Jogis Balljungen-Scherz, der weinende Fan bei Deutschlands Halbfinale). Das geht einfach gar nicht.

Aber schauen wir auf Brasilien. Schon in wenigen Wochen beginnt die Quali. Deutschland spielt gegen Färöer, Irland, Kasachstan, Österreich und Schweden und darf da wieder einen neuen Pflichtspielsiegrekord aufstellen. Wenn sich das DFB-Team erneut ungeschlagen qualifiziert hat, das Turnier dann läuft und wir nach Brasilien schauen, wird das vor allem zu nachtschlafender Zeit sein. Die Anstoßzeiten stehen fest und lassen Arbeitgeber und Schulleiter erschaudern. Vier Vorrundenspiele werden pro Tag ausgetragen. Das erste um 18 Uhr unserer Zeit, das vierte um 3 Uhr. Eine Prognose kann man daher auf jeden Fall treffen: Wenn wir nach Brasilien schauen, dann mit sehr kleinen Augen.

Bild: imago

 

Ein Kommentar zu “EM 2012: War doch ganz nett

  1. Kleine Anmerkung: Bei der WM14 wird es, mit einer einzigen Ausnahme, wie üblich drei Vorrunden-Spiele pro Tag geben. Gleich am dritten WM-Tag werden wir in den Genuss von vier auf einander folgenden Partien kommen. An immerhin zehn Tagen wird das letzte Spiel erst Mitternacht ausgetragen, weswegen der Einwand mit den kleinen Augen absolut hinkommt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Login with Facebook:
Anmelden