29. Mai1985: der Schwarze Tag

Die Stadion-Katastrophe von Heysel jährt sich und ist präsent wie lange nicht mehr

Gedenktafel

Der 29. Mai 1985: ein Mittwoch, an dem ein an sich normales Europapokal-Endspiel ausgetragen werden sollte. Der FC Liverpool, dominantes Team dieser Zeit und amtierender Europapokalsieger der Landesmeister, wollte in Belgien gegen Juventus Turin diesen Titel verteidigen. Doch noch vor Anpfiff ereignete sich im Stadion ein Unglück, das den Höhepunkt der 30 Jahre anhaltenden „English Disease“ bedeutete und 39 Menschen das Leben kostete. In die Geschichte ging dieses Ereignis ein als die „Heysel-Katastrophe“.

Gedenktafel im Brüsseler Heysel-Stadion.

Das Heysel-Stadion in Brüssel war seinerzeit das Nationalstadion Belgiens. Seit seiner Eröffnung 1930 wurden hier acht europäische Endspiele sowie das EM-Finale 1972 ausgetragen, in dem sich Deutschland gegen die Sowjetunion den Titel sicherte. Das letzte hier ausgetragene Endspiel wurde jedoch überschattet von Ausschreitungen, die den Höhepunkt und die danach beginnende Katharsis des britischen Hooliganismus bezeichneten.

Schon am Mittag war es in Brüssel zu leichten Auseinandersetzungen zwischen englischen Fans und den Tifosi aus Turin gekommen. Ursächlich, weil die Fans aus der nordenglischen Industrie-Metropole schon im Jahr zuvor mit Italienern schwer aneinander geraten waren. Im Finale von 1984 unterlag der AS Rom im heimischen Olympiastadion dem FC Liverpool im Elfmeterschießen. Die tief enttäuschten römischen Fans zettelten schwere Krawalle an, die viele Verletzte auf Liverpooler Seite zur Folge hatten. Dies wollten sich die Engländer im Jahr darauf nicht bieten lassen, und so zeigten sie bereits in der Brüsseler Innenstadt, dass sie dieses Mal Herr im Haus sein wollten.

Im Stadion wurden die Turiner Tifosi dann mutiger und sie bewarfen vor Spielbeginn aus dem Block Z, der an die Blöcke X und Y der Engländer grenzte, die gegnerischen Fans mit Steinen und Leuchtraketen. Eigentlich war dieser Block Z vorgesehen für neutrale belgische Zuschauer, doch Belgien hatte zu dieser Zeit eine große Italienische Gemeinde, womit viele Tickets für diesen Block in die Hände von Juventus-Fans gerieten. Kurz vor Spielbeginn kam es dann zur eigentlichen Katastrophe. Die Engländer stürmten den Block Z und drängten so die fliehenden Fans von Juventus weit zurück, bis an einer Mauer Schluss war. Der Druck, der dadurch entstand, war so groß, dass die Mauer des mehr als baufälligen Stadions nicht standhielt und zusammenbrach. Die meisten der insgesamt 39 Opfer sollten bereits da ihr Leben verlieren. Während kollektiver Schockzustand ausbrach und die Rettungsarbeiten liefen, wurde das Spiel angepfiffen. Juventus gewann das Finale mit 1:0 durch einen verwandelten Elfmeter vom heutigen UEFA-Präsidenten Michel Platini.

Folgen der Katastrophe

Zwei Tage nach dieser Katastrophe forderte die britische Premierministerin Margaret Thatcher den englischen Fußballverband FA auf, die englischen Mannschaften aus den europäischen Wettbewerben zurückzuziehen. Das war nicht mehr nötig, da die UEFA dies bereits für die FA übernommen hatte. Englische Teams wurden für fünf Jahre von den europäischen Wettbewerben ausgeschlossen (Manchester United und Aston Villa wurden für die Saison 90/91 „auf Bewährung“ zugelassen). Der große FC Liverpool verschwand für sieben Jahre von der europäischen Bühne.

Doch auch sonst veränderte sich etwas im britischen Fußball. Der Hooliganismus wurde nun nicht mehr einfach hingenommen und nur vereinzelt bekämpft, sondern Maggie Thatcher, „the Iron Lady“ herself, nahm sich der „English Disease“, der englischen Krankheit, an. Die Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien wurden erhöht und verbreitet Stadionverbote verhängt. Doch das nächste Unglück ließ nicht lange auf sich warten. Die Katastrophe von Hillsborough 1989 sollte dann zu einem kompletten Schnitt im englischen Fußball führen, dessen Folgen (Abschaffung der Stehplätze, Erhöhung der Kartenpreise) bis heute deutlich spürbar sind und auch aktuell in Deutschland diskutiert werden.

Heysel hatte jedoch den Grundstein für ein Umdenken in England gelegt, das auch gestandenen Hooligans nicht verborgen blieb. In der Dokumentation „Football`s Fight Club“ gibt ein Hooligan des FC Liverpool, der an diesem Tag vor Ort dabei war, zu: „Nobody should die at a football match“.

Bild: imago

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