Ronaldos Recht auf Bauch

“Il phenomeno” soll dick sein dürfen. Ohne Scham, ohne Spanner und Schaulustige

Ronaldo im WM-Finale 2002

Wenn jemand ein gutes Recht darauf hat, im gesetzteren Alter etwas an Kilos zuzulegen, dann ist es ein Profi-Fußballer. Wenige Arbeitnehmer müssen zeitlebens so diszipliniert und enthaltsam leben wie es Fußballer (und natürlich Profi-Sportler im Allgemeinen) tun, während sie ein Lifestyle aus Partys, Suff und anderen Verlockungen umzingelt. Und dass in einem Alter, wo das Bankkonto prall und die Anfälligkeit für entsprechende Sünden groß ist.

Schlank aber schlimm frisiert schafft es Ronaldo im WM-Finale 2002 Thomas Linke noch schlechter aussehen zu lassen.

Ich möchte daher für jeden Profi-Sportler im Ruhestand eine Lanze brechen, der sich nach 30-jähriger Laufbahn einen gemütlichen Wohlfühlbauch zulegt und sich mit seinem angehäuften Wohlstand dem hingibt, was er jahrelang entbehren musste.

Das gelingt aber leider nicht immer in gesundem Ausmaß, wie es die prominenten Beispiele Maradona oder Adriano vorgelebt haben, die nach/während der Karriere hart mit psychischen Problemen, Drogen bzw. Alkohol und entsprechender Leibesfülle zu kämpfen hatten. Der Boulevard ist immer sehr dankbar für entsprechende Fett-Fotos, die er prustend veröffentlicht und scheinheilig nach dem Lebenswandel fragt.

Schwersten Verletzungen und schlimmen Frisuren getrotzt

Gleiches war bei Ronaldo (dem Brasilianer, wie man seit ein paar Jahren ja immer ergänzen muss) der Fall. Dabei hat sich gerade Ronaldo Luís Nazário de Lima die „Post-Profi-Plautze“ verdient wie kaum ein anderer. „Il fenomeno“ hat in seiner Karriere fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt – und das mehrfach. Er hat schwersten Verletzungen und miserablen Frisuren getrotzt, hat es zu den Simpsons und einem lebenslangen Vertrag mit Nike geschafft. Aber auch zu satten 30 Kilo Übergewicht.

Der Aufschrei ist immer noch groß, Ronaldo wird am Nasenring durch die bunten Blätter geführt und darf in einer Reality-Show vor Publikum abspecken. Unwürdig! Ob die wenig beachtete Randnotiz, dass Ronaldo seine Korpulenz einer Stoffwechselkrankheit zu verdanken hat, so stimmt, weiß ich nicht. Ist auch egal. Ronaldo sollte dick sein dürfen. Ohne Scham, ohne Spanner und Schaulustige.

Genau denen nimmt ein anderer Querschläger schon mal den Wind aus den Segeln: Antonio Cassano. Vor dem Mailänder Derby gab der frühere Milan- und jetzige Inter-Angreifer eine unerwartete aber durchaus glaubwürdige Prognose ab für die Zeit nach seiner aktiven Laufbahn: „Ich werde ordentlich fett werden“ gab er dem italienischen Sender mediaset zu Protokoll. Ich sage: Darfst du, Junge, darfst du.

Dass Fettleibigkeit aber auch nicht zwingend sein muss, haben die Blogger von “Fritten, Fußball und Bier” festgehalten, die nette Glückwünsche an Ronaldo verfasst haben.

Bild: imago

 

 

 

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