Überbleibsel des “Platzsturms” von Düsseldorf: Plätzchen im Sperrgebiet

Zuschauer-Teilausschluss ist nicht schön

freu dich klein

Als vor zwei Wochen am örtlichen Fußballplatz ein Mannschaftsbetreuer einen Gegenspieler als „Legostein“ beschimpft hatte, nahm ich das als heiteren Anlass, hier darüber zu schreiben. Eine Serie über unkonventionelle Verbal-Attacken war eigentlich nicht vorgesehen. Doch der jüngste Stadionbesuch (Fortuna Düsseldorf – SC Freiburg) lässt mir keine andere Wahl.

“Bitte etwas gesellschaftsfähiger” war die Ansage von der Vereinsführung. Wir jedenfalls freuen uns.

Es war das zweite und zum Glück (vorerst) letzte Spiel, das Fortuna unter Teilausschluss der Fans bestreiten musste. Das Los wollte es, dass ich das Spiel gegen den SC und eben nicht das Auftakt-Heimspiel und Niederrhein-Derby gegen Gladbach vor Ort sehen durfte.

Ein merkwürdiges Erlebnis. Die Stadt ist nach dem Aufstieg und dem sehr passablen Saisonstart wahnsinnig euphorisiert – Fortuna, wo man hinguckt. Nur in unserem weitestgehend zum Sperrgebiet gemachten Block herrschte an diesem Samstag fast so etwas wie Tristesse.

Klammerte man die gut besetzte Haupttribüne und Südkurve sowie den für Freiburger Verhältnisse ordentlich gefüllten Gästeblock aus und guckte nur durch die Reihen im eigenen Block, man wähnte sich fast zurück in Liga drei. Füße hoch, keine Schlangen an Bierstand und WC, entspannte Gespräche ohne Stimmbandzerrung, ein Kick ohne viele Höhepunkte.

Natürlich kann auch ein voll besetztes Stadion Stimmungsgrab sein. Die Grundvoraussetzungen sind jedoch ungleich besser. Da ist es schön, dass bereits das nächste Heimspiel gegen den FC Schalke das komplette Kontrastprogramm verspricht. An diesem Samstagnachmittag jedenfalls war es schwierig, die übliche Spannung aufzubauen.

Dort, wo die ganz großen Emotionen zuhause und an regulären Spieltagen auch die Stehplätze sind, wurden die Fans für ihre Spannungsentladung im Spiel gegen Gladbach abgewatscht – auch vom eigenen Verein. Grund: Der Fanblock hatte dem DFB auf einem sehr, sehr großen Banner dazu geraten, Geschlechtsverkehr mit sich selbst zu haben.

“Freu dich, DFB”

Auch wenn der Fortuna-Anhang nicht der erste und einzige war, der das so offen kommunizierte, fand man in der Vereinsführung, dass die Fans ihre Meinung doch etwas kreativer und vor allem gesellschaftsfähiger zum Ausdruck bringen könnten.

Das ist ihnen mit dem nur leicht editierten Banner wunderbar gelungen: „Freu dich DFB“ hat man an der Otto-Fleck-Schneise sicherlich auch noch nicht allzu oft lesen dürfen. Aufs Komma wird dabei auch in Düsseldorf großzügig verzichtet, wie es bereits die Union-Blogger von Textilvergehen seinerzeit an der Alten Försterei verärgert angemerkt haben. Wie auch immer, jedenfalls dürfte man sich im Hause DFB zwar etwas veräppelt, aber nicht mehr so sehr verunglimpft gefühlt haben.

Ob sich jemand von dem verunglimpft gefühlt hat, was sich wenig später  in unserem Block abgespielt hat, wag ich ebenfalls zu bezweifeln. Jedenfalls saß da ein Kerl, durchaus von den letzten 15 Jahren Düsseldorfer Drama gezeichnet, und meckerte in breitestem rheinischen Idiom unentwegt vor sich hin.

Weil, wie gesagt, im Block und auf dem Feld recht wenig los war, erwischten wir uns dabei, eher ihm zu lauschen, als aufs Spiel zu achten. Bis es aus ihm herausbrach: „Du Spritzjebäck!“ Adressat: unbekannt. Sinn: unbekannt. Situationskomik: groß.

Wir blieben jedenfalls ratlos zurück. Einzige Erklärung: Vielleicht wollte er auch nur den ewig herum streunenden Brezelbub fragen, ob er statt Laugen- eben auch schon Weihnachtsgebäck im Bauchladen führt. Aber dann hätte wieder ein Komma gefehlt.

Bild: imago

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