Olympia 2012: MV darf schweigen und Alba hat Stress

Die Spiele in London ohne Deutschland? Ist wohl besser so

Ryan rennt

Wenn am Freitag die Olympischen Spiele offiziell eingeläutet werden, laufen die Fußball-Turniere der Männer und Frauen bereits seit einem bzw. zwei Tagen. Beide ohne deutsches Team. Waren die Frauen stets für ein „Gold für Deutschland“ gut und der Aufschrei nach verpasster Quali entsprechend groß, wurde die versiebte Teilnahme der Männer nur am Rande wahrgenommen.

Dabei hätte eine deutsche U23, verstärkt um drei ältere Kicker, ein recht ansehnliches Team stellen können. Doch die U21, die für einen Start bei den Spielen verantwortlich war, zog es vor, in der gleichzeitig EM-relevanten Qualifikation hinter Tschechien und Island nur Gruppendritter zu werden.

Vielen freien Sommern sei dank ist Ryan Giggs immer noch flott unterwegs. Hier im fragwürdigen Trikot des Teams GB.

Das nahm man in Deutschland so hin. Dass Hand-, Basket- und wer weiß was für -baller nicht nach London reisen dürfen, war für die Medien das deutlich größere Drama. Den U21-Fußballern nahm das Niemand so recht krumm. Im Gegenteil: Ist wahrscheinlich besser so. Was wäre wohl los gewesen, hätte der DFB für das Turnier in Großbritannien ein Team entsenden müssen? Dieser Aufschrei! Ausgerechnet jetzt, ausgerechnet in der entscheidenden Phase der Saisonvorbereitung! Es wäre wohl hässlich geworden.

Die Herren Hoeneß Sammer, Zorc, Held und Co hätten sich die Lippen blutig beißen müssen, um die Bedeutung der Olympischen Spiele für den deutschen Fußball in der Öffentlichkeit nicht völlig zu diskreditieren. Während Mayer-Vorfelder und Konsorten lauthals die Abstellung aller verfügbaren Stars gefordert und eine erneute Nationalstolz und Patriotismus-Debatte angezettelt hätten. Inklusive aller erdenklichen Sanktionen, falls es doch ein Spieler wagen sollte, seine Vereinskarriere einem Kick um Gold vorzuziehen.

Das sollen mal schön andere machen. Die haben auch die nötige Motivation. Brasilien beispielsweise, das nahezu jeden verfügbaren Star in den Ring schmeißt, um mit einer vergoldeten Euphorie in die WM im eigenen Land starten zu können. Oder das schon jetzt legendäre Team Großbritannien, das in dieser Form erstmals wieder seit 1960 bei einem internationalen Turnier antritt – angeführt von Everybody´s Darling Ryan Giggs, dem es wegen seiner walisischen Herkunft in 38 Jahren nie vergönnt war, sich auf einer vergleichbaren Ebene zu messen. Oder natürlich die unersättlichen Spanier, die ihr Streber-Image gerade noch einmal dick unterstreichen und als amtierende Welt- und Europameister auch noch gerne Olympiasieger wären.

Wohin dieser Ehrgeiz führen kann, zeigt Oberstreber Jordi Alba. Der arme Tropf hat in der abgelaufenen Saison für den FC Valencia 32 Liga- und 8 Pokalspiele absolviert. Dazu kamen sechs in der Europa und vier in der Champions League. Für Spanien bestritt er alle sechs EM-Spiele und vier in der Vorbereitung. Macht in der Summe glatte 60. Die gleiche Anzahl hat Kollege Juan Mata auf dem Buckel, der aber zumindest während er EM die Beine schon mal hochlegen durfte und dort nur einmal auflief.

Auf dem Niveau, auf dem sich beide bewegen, sind diese Zahlen nicht ungewöhnlich. Ich will auch gar nicht über eine eventuelle Überbelastung der Spieler jammern. Vielmehr ziehe ich den Hut, wenn die Jungs nach so einer Mammutsaison auf Urlaub verzichten und noch Bock haben auf ein Turnier, das allerhöchstens von ideeller Bedeutung ist. Sollten Mata und Alba mit Spanien ins Finale kommen – davon darf man ja mal besten Gewissens ausgehen –  steigt dieses am 11. August im Londoner Wembley-Stadion. Zumindest Chelsea-Akteur Mata hat es dann nicht weit nach Hause. Alba hingegen darf nach Barcelona reisen, wo er als Neuzugang  beim FC um einen Startplatz für die neue Saison kämpfen darf. Die beginnt dann schon am nächsten Samstag.

Man möchte sagen, „Mach mal Pause, Junge“. Wieso? Soll er mal Giggs fragen, wenn er ihn dann trifft. Der weiß, was freie Sommer bedeuten.

Bild: imago

 

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