Legendäre Endspiele – Muttertage des Fußballs

Am 25. Mai jähren sich drei legendäre Europapokal-Finals

Hrubesch und Stein mit Pokal

Nach der Pleite des FC Bayern gegen den FC Chelsea wurde vielerorts darüber diskutiert, wie schlimm denn die Niederlage eigentlich sei. Ist das vergeigte “Finale dahoam” die neue Mutter aller Niederlagen, ist sie es nicht, oder sogar die Großmutter oder doch nur die Großtante? Nicht, dass irgendjemandem damit geholfen wäre, aber historische Einordnung ist eben wichtig. Trotzdem dürfte es Bastian Schweinsteiger kaum besser gehen, wenn man ihm glaubhaft versichert “1999 war viel schlimmer”.

Auch wenn die Diskussion längst abgehakt gehört und man “Finale dahoam” außerhalb des entsprechenden Sprachraums nie wieder hören möchte, gebietet das heutige Datum, das Thema “Europapokalspiele mit Mutter-Potential” noch einmal aufzugreifen.

Es war jeweils der 25. Mai als:
- der FC Liverpool 1977 zum ersten Mal den Europapokal der Landesmeister gewann,
- Felix Magath den Hamburger SV 1983 gegen Juventus Turin zum ersten und einzigen Mal auf Europas Thron schoss
- und wiederum der FC Liverpool im Champions-League-Finale von Istanbul 2005 den AC Mailand nach 0:3-Rückstand noch mit 6:5 in die Knie zwang.

Zu allen drei Spielen gibt es endlose Geschichten zu erzählen und genügend Gründe – will man beim Stammbaumbild bleiben – ihnen irgendwelche Mütter- oder Großmütter-Ränge zuzusprechen.

1983: Horst Hrubesch und Uli Stein bringen den hübsch dekorierten Europapokal nach Hamburg.

Für den FC Liverpool war der 3:1-Sieg über Borussia Mönchengladbach im Olympiastadion von Rom ein Meilenstein in seiner ohnehin erfolgreichsten Epoche, die von 1964 bis 1985 andauern und die “Reds” zu Englands größter Mannschaft machen sollte. 1973 (ebenfalls gegen Gladbach) und 1976 (gegen Brügge) gewann die Mannschaft bereits zweimal den UEFA Cup. Doch der Sieg von Rom 1977 läutete die endgültige Dominanz der Truppe von Coach Bob Paisley in Europa ein: 1978 verteidigte die Mannschaft den Titel, 1981 und 1984 gewann sie ihn erneut. Doch dann kamen der 29. Mai 1985 und das Finale von Heysel. Dem FC Liverpool winkte die erneute Titelverteidigung. Aber eines der tragischsten Stadionunglücke der Fußball-Historie mit 39 Toten ließ nicht nur die Finalniederlage gegen Juventus Turin (0:1) zur Farce werden, sondern auch den Club von Europas Bühne verschwinden – er wurde für sieben Jahre von allen Wettbewerben ausgeschlossen.

Die frühen achtziger Jahre waren auch die Zeit von eben jenem Juventus Turin. Giovanni Trapattonis Startruppe um Dino Zoff, Michel Platini, Zbigniew Boniek oder Paolo Rossi reiste damals siegessicher ins Europapokal-Finale nach Athen, wo der HSV von Coach Ernst Happel wartete. Doch auch die Hanseaten standen im Zenit ihrer Schaffenskraft, und Felix Magath schoss den HSV zum bis heute größten Triumph seiner langen Vereinsgeschichte. Für Juventus sicher eine blöde Niederlage, für die Hamburger ein bis heute unwiederholter Triumph.

Ob nun Mutter aller Siege oder aller Niederlagen, da entscheidet der Blickwinkel. Jedenfalls drohte das Champions-League-Finale 2005 zu einem der langweiligsten der jüngeren Geschichte zu werden, als Paolo Maldini und Hernan Crespo den AC Mailand bereits zur Halbzeit mit 3:0 in scheinbar sichere Gefilde geschossen hatten. Wer zu dem Zeitpunkt noch einen Cent gegen die als Defensiv-Könner verschrienen Rossoneri gesetzt hat, dürfte ein reicher Mann geworden sein. Denn Steven Gerrard, Vladimir Smicer und Xabi Alonso retten Liverpool bekanntermaßen ins Elfmeterschießen, in dem sich FC-Keeper Dudek unsterblich und den Reds die größte Club-Trophäe seit 1984 bescheren sollte.

Man darf nur hoffen, dass da niemand Maldini und Co gesteckt haben sollte, dass es doch bereits schlimmere Niederlagen gegeben hat.

 

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