Luxusgut Premier League

City schickt Arsenal ein Drittel der Auswärtskarten zurück. Ein Boykott?

Unbenannt

Arsenal atmet auf: Theo Walcott, Publikumsliebling und Hoffnungsträger auf eine wieder bessere Zukunft, hat verlängert. Freilich erst nach langem Hickhack und satter Gehaltserhöhung. Umso leichter fiel es dem jungen Offensivmann nach Vertragsunterschrift zu beteuern, dass er nie mit dem Gedanken gespielt habe, den Verein zu verlassen.

Grund zur Freude im Hause Walcott. 110.000 Euro bringt Theo künftig jede Woche nach Hause.

Grund zur Freude im Hause Walcott. 110.000 Euro bringt Theo künftig jede Woche nach Hause.

Jedenfalls soll er nun statt 40.000 Euro 110.000 Euro verdienen. Dass es sich dabei um das Wochengehalt handelt, muss ich wohl nicht erwähnen. Dass er dennoch bei weitem nicht Top-Verdiener ist in England ebenfalls nicht. Dass das dennoch fernab von allem ist, was man sich als Nicht-Fußballprofi vorstellen kann, auch nicht. Auch möchte ich keine Gehaltsdebatte anzetteln, denn das ist in der Regel nicht sonderlich ergiebig.

Vor dem Hintergrund des kommenden Spitzenspiels drängt sich eine Diskussion jedoch auf. In den letzten Jahren hat man aus Deutschland, entweder mit einer gewissen Genugtuung oder aber mit Grausen, die Kommerzialisierung in der Premier League verfolgt, von der Sitzplatzverbot, Eintrittspreiserhöhung und Stimmungsschwund nur ein paar ihrer fatalen Auswirkungen sind.

Das Londoner Emirates, die Nachfolgestätte des legendären Arsenal Stadiums in Highbury, dient dabei immer als besonders abschreckendes Beispiel für ein zur Oper mutiertes Fußballstadion, in dem die große britische Fankultur längst zu Grabe getragen wurde. Diesen Super-Gau vor Augen haben sich bereits vor Jahren in Deutschland Fans organisiert, um gegen Wucher-Eintritt zu demonstrieren.

900 Karten gehen zurück. Aber 2000 wurden gekauft.

Aber auch im Mutterland schaut man dem Ausschluss des „gemeinen Fußballfans“ von seinem Sport nicht vollkommen tatenlos zu. Manchester City hat vor dem kommenden Spiel bei Arsenal (Sonntag, 17 Uhr) knapp ein Drittel seines Kontingents, etwa 900 Karten, zurückgeschickt. Weil es auch beim Scheich-Club immer noch Fans zu geben scheint, die nicht bereit sind, 62 Pfund, also rund 76 Euro, für ein Spiel zu zahlen.

Auf den ersten Blick ein schönes Signal, zumal gerade bei City alles aus dem Ruder zu laufen scheint. Und aus der Ferne lässt sich vermuten, dass man in Manchester doch noch etwas Bodenhaftung besitzt. Jedenfalls scheint die Meldung so besonders, dass auch hiesige Medien darüber berichten.

Umgekehrt haben sich jedoch in Manchester über 2.000 Fans gefunden, die bereitwillig den aufgerufenen Preis bezahlen wollen. Von einem “Boykott” zu sprechen, halte ich dann doch für zu viel des Guten. Denn wer boykottiert denn da? Die Basis, die vielmals beschworene Arbeiterklasse, die einst den Charme des Insel-Fußballs ausgemacht hat, wohl schon längst nicht mehr. Ich schätze, dass es hier bereits die zweite Generation, das Mittelstandspublikum ist, dass sich den Luxus Premier League nicht mehr leisten will.

Und ich möchte wetten, dass beim in Gelddingen schmerzfreien Londoner Publikum auch die verbliebenen Tickets noch unters Volk gehen. Macht allein aus dem Auswärtskontingent einen Erlös von 228.000 Euro. Walcott wäre bezahlt. Bis zum nächsten Heimspiel in zwei Wochen.

Bild: imago

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