Lost in Länkäran

Jetzt ist die richtige Zeit, um Europa kennenzulernen

Hrubesch_Marseille

Seit Kindesbeinen hilft einem der Fußball, die Welt kennenzulernen. Mit Atlas und Tabelle in der Hand lernte man als Achtjähriger schnell, wo Homburg, wo Kaiserslautern, wo Meppen lagen. Das weiß der Durchschnitts-Achtjährige ja nicht zwingend. Muss er auch nicht. Privilegierte Kinder, deren Vereine im UEFA-Cup spielten, lernten noch viel mehr. So, als die Eintracht mal bei Dnjepr Dnjepropetrovsk spielte (und 1:0 verlor).

Glück gehabt: Hrubesch fingert Marseille aus dem Topf.

Dnjepr Dnjepropetrovsk – ein Name, der sich damals in das kindliche Hirn eingebrannt hat. Die Suche nach dem Ort der bevorstehenden Niederlage mit dem Finger auf der Karte war lang, aber schlussendlich erfolgreich. Bei schlechtem Bild und noch schlechterem Ton erzählte dann der Kommentator in der Live-Übertragung etwas von und erschwerten Reisebedingungen und abenteuerlichen Minusgraden. Das klang nach Expedition ins Ungewisse, die schlussendlich spannender war als das Spiel.

Mit zunehmendem Alter wurde die Welt natürlich kleiner, das Internet dabei tat sein Übriges. Doch die Sommerpause zeigt jährlich, dass man nie auslernt. Zum Beispiel wenn die Bundesliga-Teams in exotischen Trainingslagern gegen noch exotischere Mannschaften spielen. Vor allem aber, wenn man mal den Blick dahin wirft, wo gerade doch noch Pflichtspiele absolviert werden.

Das ist gerade der Fall in den skandinavischen Ligen, in den USA, Peru oder Paraguay. Doch auch in Champions und Europa League rollt schon der Ball. Gerade Letztere hält in ihren ersten Qualifikationsrunden echte Schmankerl bereit, die einen ratlos zurück lassen: Da tummeln sich der FC Santa Coloma, Gandzasar Kapan, Schetisu Taldykorghan, MyPa Anjalankoski, Suduva Marijampole, CS Grevenmacher, Libertas Borgo Maggiore oder Xäzär Länkäran.

Hätte das Internet Spielereien wie solche nicht vollkommen witzlos gemacht, man könnte ein prima Preisausschreiben rund um die Herkunft der Teams veranstalten. Aber einfach noch mal den Atlas in die Hand nehmen und Länkäran suchen, das empfiehlt sich für heiße Sommernachmittage doch auch lauschige Abwechslung.

Bild: imago

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