Kim Jong Il looking at Bundesliga

Auch in Nordkorea wird künftig deutscher Fußball geguckt

tese_klein

Zu Lebzeiten Kim Jong Ils, Nordkoreas unlängst verstorbenem Diktator, wurde dem „geliebten Führer“ ein fantastisches Blog gewidmet: kim jong-il looking at things. Die Seite bestand aus nichts anderem als Bildern, die Il dabei zeigen, wie er sich – meistens bei Firmenbesichtigungen – die Güter anguckt, die seine Planwirtschaft so produziert. Das sind mal Schweinekoteletts, mal Büstenhalter, mal Skistöcke. Von vorne bis hinten eine wunderbar groteske Angelegenheit.

Würde er noch leben, das Blog wäre in Kürze um einen Beitrag reicher: Kim Jong Il looking at Bundesliga. Es war eine der kuriosesten Meldungen der vergangenen Woche, wurde aber, meiner Meinung nach, viel zu wenig beachtet: Die Bundesliga läuft künftig auch im stalinistischen Nordkorea.

Soll das Zugpferd der DFL am nordkoreanischen TV-Markt sein: Kölns Chong Tese.

Die Tatsache an sich verwundert nicht so sehr, verkauft die DFL ihr Produkt inzwischen in 205 der 209 Fifa-Mitgliedsländer. Ich möchte auch keine moralische Debatte darüber anstoßen, ob man einem Regime wie dem nordkoreanischen, das die eigene Bevölkerung nicht ernähren kann, TV-Bilder verkaufen sollte. Willi Lemke, Ex-Werder-Manager und Sonderbotschafter für Sport bei den Vereinten Nationen, wird jedenfalls zitiert, er hoffe in den Beziehungen zu dem Regime durch die Übertragungen auch auf „Entkrampfung und Entspannung“.

Und so sollen auch die Menschen im isolierten Nordkorea in den Genuss kommen, die Bundesliga im TV zu sehen. Vorausgesetzt, sie besitzen einen Fernseher, was in dem armen Land nun eben nicht immer der Fall ist. Und wenn sich ein Nordkoreaner in der privilegierten Lage wähnen darf, ein TV-Gerät zu besitzen, ist die Wahrscheinlichkeit, ein Bundesliga-Spiel zu sehen, doch eher gering.

Das Rechtepaket für den isolierten Staat beinhaltet eine Live-Übertragung aus der ersten oder eine Aufzeichnung aus der zweiten Liga pro Woche. Nun stellt das nordkoreanische Fernsehen allabendlich um 23 Uhr Ortszeit den Sendebetrieb ein. In Deutschland ist es dann 16 Uhr. Zumindest samstags kann sich der Nordkoreaner so immerhin eine halbe Stunde Bundesliga angucken, bevor das Testbild kommt. Daher werde wohl häufiger auf die Konserven aus der 2. Liga zurückgegriffen.

Das ist ohnehin wahrscheinlicher, da Nordkoreas einziger halbwegs renommierter Kicker ohnehin im Unterhaus seinen Dienst verrichtet, für den 1. FC Köln. Doch so droht allerdings der deutsche Fußball doch für Propagandazwecke in dem Unrechtsstaat missbraucht zu werden. Ich seh die Fernsehansagerin schon vor mir. „Es folgt ein Heimspiel des 1. FC Köln. Seht her, Genossen, dieses Chaos droht, wo zu viel Freiheit herrscht und eine straffe Führung fehlt.”

Bild: Imago

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Login with Facebook:
Anmelden