Schaaf/Allofs: Happy End im Zonenrandgebiet

Über Romantik im Fußball

Schaaf und Allofs

Vereinstreue ist der Inbegriff von Fußball-Romantik. Wenn dein Verein einen Sympathieträger verliert, ist das meistens sehr unromantisch. Es sei denn der Spieler schafft es zu einem der ganz Großen, sodass man sagen kann „Guckt her, unser Mann spielt für jetzt für Real Madrid!“ Dann freut man sich für ihn und hofft, dass er zum Ende seiner Weltkarriere nochmal zu seinem Heimatverein zurückkehrt.

Geht Allofs? Und kommt Schaaf nach? Und wenn ja, wann?

Das ist natürlich viel zu selten der Fall. Weniger selten ist es jedoch, dass der junge Hoffnungsträger eben nicht ins Bernabeu wechselt, sondern eben dahin, wo gerade Felix Magath trainiert und/oder viel Geld vorhanden ist. Und das war in den letzten Jahren zumeist in Wolfsburg der Fall.

So musste beispielsweise Eintracht Frankfurt vor anderthalb binnen weniger Tage nicht nur den Abstieg sondern auch den Verlust der Ur-Gesteine Russ und Ochs an die Niedersachsen verschmerzen. Einen dritten Alt-Eintrachtler, Chris, zog es wenig später hinterher.

Gerade die beiden Ersteren haben den hessischen Fußball-Romantiker tief enttäuscht. Hatte man sich am Main doch so sehr gewünscht, dass Ochs und Russ aus Verbundenheit zu „ihrem“ Verein mit in die 2. Liga gingen, anstatt für viel mehr Geld zu einem vermeintlich (!) ambitionierten Erstligisten. Das taten sie nicht. Und so schnell die beiden in Niedersachsen waren, so schnell schwand am Main ihr Heldenstatus.

Die Verwünschungen der Eintracht-Fans sollten wahr werden: Russ sitzt in Wolfsburg, Ochs gemeinsam mit Chris inzwischen in Hoffenheim auf Bank oder Tribüne. So traurig der Anblick auch sein mag, manchen Fans spendet so etwas Genugtuung: „Seht ihr, wärt ihr doch mal bei uns geblieben!“

Leid geprüftes Werder-Herz

Ein anderer Verein, der ein ganz lautes Lied singen kann über die schmerzlichen Verluste heiß geliebter Spieler, ist der SV Werder Bremen: Oliver Reck, Fabian Ernst, Ailton, Frank Rost, Mladen Krstajic (alle Schalke), Andreas Herzog, Mario Basler, Coach Otto Rehhagel, Claudio Pizarro (alle Bayern) oder Torsten Frings (BVB) verließen den Verein auf oder noch vor dem Zenit ihrer Karriere. Diego (Juventus), Özil (Real) oder Mertesacker (Arsenal) zwar ebenfalls, ihnen wird man die attraktiven Auslandstransfers aber eher nachsehen können als die Wechsel der anderen Kollegen nach Schalke oder München.

Aber nun lockte es den ehemaligen SVW-Liebling Diego nach gescheitertem Anlauf in Turin doch noch nach Wolfsburg, wo er – bis vor kurzem – ein mehr als trauriges Dasein fristete. Als wäre das für Werder-Herz nicht schon zerreißend genug, setzte sich auch der beliebte Abwehr-Chef Naldo kurz vor Transferende in die VW-Stadt ab. Aber gut, tröstete man sich in Bremen, die Mannschaft war im Umbruch, bekam „ein neues Gesicht“ und das entpuppte sich ja als gar nicht mal so hässlich.

Jetzt braucht der Verein neben dem neuen Gesicht wohl auch ein neues Herz, Hirn oder Kreislaufsystem, jedenfalls das, was Klaus Allofs in den letzten Jahren eben war. Der Manager will nach 13 Jahren ebenfalls die Biege machen, ebenfalls nach Wolfsburg. Und wieder stirbt ein Stück Romantik in der Bundesliga.

Gelten für Manager andere Maßstäbe als für Spieler?

Aber kann man einem Manager einen solchen Wechsel eher nachsehen als einem Spieler? Gelten für einen Manager andere Maßstäbe? Altgedienten Kickern gönnt manch Fan es ja, nach Jahren der Aufopferung noch einmal reichlich Geld einzustreichen – und das in einem komfortableren Job. Bei aller Erwartungshaltung wäre er das für Allofs ebenfalls. Die Argumente, mit denen er künftig Spieler verpflichten kann, sind andere, handfestere als zu Bremer Zeiten. Das könnte ihm Spaß machen.

Für Werder-Fans hört der Spaß aber wahrscheinlich dann auf, wenn Allofs alte Weggefährten nachholt wie Auswanderer ihre Familienmitglieder. Ein Doppel-Wechsel mit Coach Schaaf wäre wahrscheinlich der Super-Gau. Für die Beziehung Schaaf/Allofs aber vielleicht das große Happy End. Fern der Heimat wiedervereint trotzen sie Seite an Seite den fußballerischen Widrigkeiten im ehemaligen Zonenrandgebiet. Wäre nicht genau das wieder ganz große Romantik?

Bild: imago

4 Kommentare zu “Schaaf/Allofs: Happy End im Zonenrandgebiet

  1. In Bremen setzt man doch auch gern auf Altgediente. Nur hat sich niemand aus der Generation Reck, Eilts, Neubarth niemand so richtig mit Ruhm bekleckert. Braucht nicht Frings bald mal einen neuen Job?

  2. achja: und wenn er geht, dann bloß nicht felix auf den stuhl im turm an der nordtribüne des weserstadions setzen lassen. da wäre selbst didi b. besser.

  3. ich weiß gar nicht, ob ich mich freuen soll, dass der ganze mist nicht so schlagartig kommt wie beim transfer vom naldo oder man sich so langsam, aber sicher (ich glaube, einige nennen es “rumeiern”) auf allofs’ tschö einstellen kann/konnte…

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