Flügel ja, Seele auch?

Red Bull kann anscheinend alles. Im Fußball muss der Konzern das noch beweisen.

Fallschirm

Felix Baumgartners wahnwitziger Fallschirmsprung aus der Stratosphäre bot massig Stoff für Fußball-Kalauer unterschiedlichster Güte. Ramos-Bälle hier, Hans Sarpei da und Schwalben-Analogien dort.

Baumgartner landet, der Werbewert geht durch die Decke.

Bei allen Späßchen, die jetzt im Internet getrieben werden: Der vergangene Sonntag war sicherlich ein großer Tag für Red Bull, den Sponsor des Rekordunterfangens. Zumal fast zeitgleich Sebastian Vettel im Firmenwagen Kurs auf die nächste Formel-Eins-Weltmeisterschaft genommen hat. Der Brause-Konzern kann aktuell scheinbar alles.

Aber eine Sache eben nicht. Zumindest nicht so richtig. Bei allem Erfolg, den sich Red Bull erkauft und auch sicherlich hart erarbeitet hat, brennt eine Frage auf den Nägeln: Warum agiert das Unternehmen im Fußball noch so wenig durchschlagskräftig?

In Österreich dominant, in Europa eine Lachnummer

Sicherlich: Der Salzburger Ableger wurde in sechs Jahren dreimal österreichischer Meister und ebenso oft Vize. Von Konstanz, Konzept und Philosophie kann jedoch angesichts fröhlich rotierender Trainer, Manager und Spieler kaum eine Rede sein.

Mit Kurt Jara, dem Gespann Lothar Matthäus/Giovanni Trapattoni, Co Adriaanse, Huub Stevens, Ricardo Moniz und Roger Schmidt hielten und halten in der Mozartstadt seit 2005 namhafte Trainer den Taktstock in der Hand. Lange ausgehalten hat es im Mateschitz-Imperium niemand.

Für die österreichische Liga reichte es dennoch zu ordentlicher Dominanz, auf europäischer Bühne blamiert sich das Team hingegen in feiner Regelmäßigkeit nach Strich und Faden. Das Problem des Clubs liegt auf der Hand. Um es etwas spitz zu formulieren: Wer etwas auf sich hält, spielt eben nicht in Österreich. Geld hin oder her, wo der Glamour und die internationale Bühne fehlen, sucht man die großen Stars vergebens.

Man findet sie jedoch seit kürzester Vergangenheit vornehmlich in Paris. Auch dort war in den letzten Jahren nicht der ganz große Fußball zuhause. PSG hat ganz lange nichts gerissen, die Liga dümpelt schon ein ganzes Weilchen etwas unscheinbar hinter England, Spanien, Deutschland und Italien hinterher.

Aber der Verein genießt eben dennoch eine gewisse Reputation und Paris ist natürlich eine Verlockung sondergleichen. Zwei Aspekte, die die ohnehin lukrativen Argumente für einen Wechsel in den Prinzenpark ganz anständig unterfüttern. Potential und Perspektive sind da, Zlatan Ibrahimovic sieht im “Projekt” PSG nichts geringeres als “die Zukunft

Und die wird sich in dieser Sportart sicherlich nicht so schnell in Salzburg abspielen. Eher schon in deutschen Gefilden, eine Leipziger RB-Dependance wurde daher aus dem Boden gestampft.

Anders als in Österreich konnte das Unternehmen da keinen strauchelnden Traditions-Club auf links drehen und gleich in der ersten Liga starten. Der Weg von ganz unten blieb jedoch auch erspart, der sächsische Oberligist Markranstädt musste dem Konstrukt weichen.

Erfolg allein erwirkt im Fußball keine Sympathien

Der Aufstieg in die Regionalliga gelang prompt, bundesweit fürchteten Fußball-Traditionalisten den Durchmarsch. Doch zwei Jahre in Folge durften sie sich daran erfreuen, dass mit Chemnitz und Halle alteingesessene Ost-Clubs dies zu verhindern wussten.

Aktuell sieht es aber anders aus. RB steht ungeschlagen und mit fünf Punkten Vorsprung auf Rang eins der Regionalliga Nordost. Die Marschrichtung ist klar. Die Wertschätzung des Clubs jedoch auch, wie man in Leipzig selbst nur zu gut weiß.

Denn anders als bei Fallschirmspringern, Formel-Eins-Fahrern und all den Red-Bull-Extremsportlern, wird Fußballvereinen eben nicht allein wegen ihrer sportlichen Leistungen zugejubelt. Erfolg allein erwirkt im Fußball keine Sympathien.

Das weiß man nirgend besser als im Hause Dietmar Hopp. Er hat bewiesen, dass man sich auch im Fußball-Niemandsland Erfolg bis zu einem gewissen Grad erkaufen kann. Aber auch, dass sich ein Verein eigene Identität eben nicht im Vorbeigehen zulegt. Der Club krankt zusehends daran, im Kraichgau scheint man nach und nach den Spaß zu verlieren. Ein Schicksal, das für die wesentlich radikaler auftretenden Österreicher in Deutschland vorgezeichnet scheint.

Es klingt pathetisch, aber es ist die Seele, die fehlt. Und die ist im Fußball anscheinend von größerer Bedeutung, als es in einem Material- und Maschinenwettstreit wie der Formel Eins oder einem Schallmauer brechenden Fallschirmsprung der Fall ist.

Bild: imago

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Login with Facebook:
Anmelden