Flach aussehen, hoch gewinnen

Neue Studie: Wer besser aussieht, ist der schlechtere Kicker

Ribery

Nächstes Jahr werde ich 30. Und ganz allmählich reift der Gedanke, dass das mit der Profi-Karriere doch nichts mehr wird. Ein bisschen klammere ich mich noch an Bierhoff und Klose, die ihren Durchbruch auch „spät“ hatten.

Aber meine Chancen, noch entdeckt zu werden, sind doch im freien Fall. Erst recht seit ich nicht mal mehr Kreisliga sondern nur noch mit Kumpels in einer kuschelig warmen, mit Kunstrasen ausgelegten Halle kick.

Franck Ribery wurde von 300 Männern als weniger attraktiv bewertet. Das dürfte ihm ziemlich egal sein.

Wie „alt“ man geworden ist, merkt man auch daran, dass man zwischenzeitlich ganze Spielerkarrieren hat starten und enden sehen. Und nicht nur die kurzlebigen wie die Lars Rickens oder Sebastian Deislers. Sondern auch richtig ausgewachsene wie die von Olli Kahn, Michael Ballack oder Mehmet Scholl.

Der Zeitpunkt ist längst da, dass man nicht mehr zu gestandenen Männern aufblickt – man ist fast selbst einer – sondern Jungs zujubelt, die glatte zehn Jahre jünger sind als man selbst. Das ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber auch recht leicht erträglich, der Prozess war ja schließlich sehr schleichend.

Wirklich kritisch hinterfragt hab ich nie, warum das mit dem Kindheitstraum Profifußball nichts wurde. Oder mit Erfahrungen jenseits der Kreisliga überhaupt. Die Gründe sind viel zu offensichtlich. Aber ich bereue nichts und bekomme jetzt die Steilvorlage serviert, die es mir noch viel leichter macht, meine früh verglühte Laufbahn zu rechtfertigen: Ich sehe einfach zu gut aus!

Das sagt zumindest der Düsseldorfer Soziologie-Professor Ulrich Rosar. Der hat jüngst den Zusammenhang von Attraktivität und physischer Leistungsfähigkeit untersucht.  Dazu mussten 300 Männer (!) das Aussehen von Fußballern bewerten, das dann in Bezug gesetzt wurde zu deren Leistungsdaten.

Der schönste Mann der Welt? Alex Meier!

Und schon da möchte ich Reliabilität der Ergebnisse anzweifeln. Kann Mann Fußballer objektiv nach ihrem Aussehen bewerten? Für mich, und wohl auch jeden anderen Fan, ist ein Fußballer gleich viel hässlicher, wenn er nicht das Wappen des eigenen Vereins auf der Brust trägt. Aktuell ist Alex Meier nämlich für mich der schönste Mann der Welt und ich bezweifle, dass ich das gleiche empfinden würde, wenn er nur mein Postbote wäre.

Heißeste Typen waren laut Umfrage Ricardo Faty und Daniel Gordon – kennt kein Mensch und wir ahnen auch, warum. Am anderen Ende der Skala steht jedoch ein gewisser Franck Ribery. Rosar erklärt, der Franzose sei es gewöhnt, sein äußeres “Handicap” mit einer höheren Leistung zu kompensieren, spiele aber dadurch auch außergewöhnlich gut, „er müsste sich weniger anstrengen, wenn er schöner wäre.“

Darin, sich auf dem Platz weniger anzustrengen als andere, war ich spätestens ab dem 16. Lebensjahr besonders gut. Muss heißen: In der Pubertät ist aus mir ein richtig hübscher Kerl geworden. Danke für die Blumen, Professor Rosar.

Wer als Kind auf dem Schulhof verprügelt wurde, wird ein guter Stürmer?

Aber ist das alles plausibel? Wer als Kind wegen seines Aussehens auf dem Schulhof verprügelt wurde, lernt möglicherweise, schneller wegzulaufen: gut für Stürmer. Wer oft gehänselt wurde, mag andere Menschen weniger: gut für die Zweikampfführung. Wer immer schon die Frauen abgekriegt hat, verliert die Hartnäckigkeit: schlecht.

Diese Gedanken unterfüttert Cristiano Ronaldo, der mal erzählte, als schwächstes Kind auf Madeira öfter mal vermöbelt worden zu sein. Da sei der Entschluss gereift, bester Fußballer der Welt zu werden. Umgekehrt jedoch attestiert man Zlatan Ibrahimovic, dass er nur so gut ist, weil er sich in seiner Selbstverliebtheit Dinge zutraut, die kein normal denkender Mensch wagen würde.

Und die Studie wirft weitere Fragen auf: Warum war Jiri Nemec nie Weltfußballer? Wird Marco Reus schlechter, wenn er mal keine lächerliche Frise hat? Und warum enden Spielerkarrieren immer früher, wo doch Männer mit dem Alter immer hübscher werden? Ich warte auf Antworten – und den späten Durchbruch.

Bild: imago

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