Es ist zum Heulen

Randale statt Tränen – Wenn die Lust vergeht, Abstiege zu betrauern

Löwen-Tränen

Früher sahen Abstiege irgendwie anders aus. Da lagen sich spätestens am 34. Spieltag weinende Männer in den Armen. Auf dem Feld und auf den Rängen schämte man sich seiner Tränen nicht, es wurde geflennt, was das Zeug hielt. Unvergessen, wie der alternde Andi Brehme nach Lauterns Abstieg 1996 vor laufenden Kameras in Rudi Völlers Armen Rotz und Wasser heulte.

Heute mag es immer noch Tränen geben, Abstiege sind ja nicht weniger traurig. Doch die Bilder aus den Stadien sind andere. Sie sind auch traurig, aber anders traurig. Denn in den Fankurven hat eine alternative Form der Trauerbewältigung Einzug gehalten. Früher wurden zwar immer schon mal tränennasse Schals mit Feuer getrocknet und verbrannt. Heute richten sich die Aggressionen nicht mehr gegen Fanutensilien sondern zunehmend gegen Stadioninventar und Spieler.

Herthas Fans waren vor zwei Jahren wohl die Trendsetter, als sie im großen Stil den Innenraum des Olympiastadions stürmten und Werbeaufsteller und Reservebank für den drohenden Abstieg zur Rechenschaft zogen. Die Eintracht-Anhänger standen denen ein Jahr später in Nichts nach und feierten so immerhin die “Randalemeisterschaft”. Was der kölsche Mob vom Abstieg hält, wurde (nicht nur) am Wochenende mehr als deutlich.

Die TV-Bilder zeigen keine weinenden Männer mehr. Stattdessen gibt es schwarzen Rauch, Sturmhauben, kaputte Banden, flüchtende Spieler. Da vergeht einem selbst die Lust zu trauern und so wird Mann um eine seiner wenigen Gelegenheiten gebracht, mit bestem Gewissen öffentlich zu heulen.

Trauer kann so schön sein.

Bild: imago

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