Länderspielpause? Erst mal Meter machen!

Die Bundesliga hat doch gerade erst angefangen

Deutschland gegen die Färöer 2003

Wir kennen das aus unserer Kindheit, Verreisen mit dem Auto. Zusammengepfercht zwischen Geschwistern und Gepäck geht’s zu nachtschlafender Stunde auf die Autobahn. Nach 30 Minuten drückt die Blase. Verhaltene Anfrage beim Fahrer, meist der Papa: Man müsste mal. Kurz anhalten? Kleines Päuschen? Klare Ansage: Nix da. Frühestens in anderthalb Stunden, erst mal werden Meter gemacht.

2003: Enttäusschung war der vorherrschende Zeitgeist. Bobic und Wörns wissen, dass das späte 2:0 gegen die Färöer kein Ruhmensblatt war, Pol Thorsteinsson ärgert sich über die knapp verpasste Sensation.

Bei längerem Nachdenken bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob sich dieses Szenario tatsächlich so im elterlichen Kfz abgespielt hat, oder sich doch einfach nur einer der großen Klassiker der Filmgeschichte zu sehr ins Hirn gebrannt hat. Ist auch völlig egal. Jedenfalls kann ich inzwischen alle Väter verstehen. Wenn nach langer Planerei und großer Vorfreude der Trip endlich losgeht, wird nicht schon wieder kurz später angehalten. Erst mal Meter machen.

Die Papas von der UEFA denken da dummerweise anders. Zwei Bundesligaspieltage sind absolviert, da wird Länderspielpause gemacht. Aaargh! Den Bayern-Fan freuts, weil zur Abwechslung mal Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Hamburger dürfen ein paar Tage länger glauben, dass mit “vdV” alles gut wird, und Fortunen und Eintracht-Fans würden die Tabelle eh am liebsten einfrieren.

Im Umkehrschluss wächst natürlich die Angst, dass die Spielpause der super Frühform ein abruptes Ende setzt, dass sich der internationale Leistungsträger verletzt oder sonst irgendein Fan-Aberglaube zuschlägt. So oder so: Jetzt Pause ist uncool. Trotzdem der Blick auf die bevorstehenden Länderspiele. Freitag gegen die Färöer. Da werden wieder die Stories erzählt vom Torwart mit Pudelmütze, von mehr Schafen als Einwohnern, von Spielern, die Klempner von Beruf sind und wie in deutschen Stadien verbotene Kleidung heißen (siehe Bildunterzeile).

Zeugnis aus grauer Vorzeit: Die Mannschaftsaufstellung Deutschlands beim Quali-Spiel 2003 gegen die Färöer.

Weil das inzwischen alles gut durchgekaut ist, bleibt zu hoffen, dass das Spiel etwas fröhlicher wird, als die mageren 2:0- und 2:1-Siege aus der Quali-Runde 2002/2003. Wobei, im Rückblick waren die Spiele doch ganz witzig. Slavo Freier und Tobias Rau in der Startelf, die Tore erst in den Schluss-Sekunden, Oli Kahn hat Bindehaut und muss vom Platz. Es waren dunkle Zeiten.

In jene Epoche fiel auch Völlers Weißbier-Waldi-Wut-Rede. Die hielt er zwar nicht nach dem Gegurke gegen die Färöer sondern erst ein paar Tage später, nach dem furiosen 0:0 gegen Island. Die Spiele gegen die Färinger dürften aber Völlers Hassattacke bereits gut unterfüttert haben. Kernaussage jedenfalls war, dass es die Kleinen nicht mehr gebe. Wir wissen heute,  das ist eine Schutzbehauptung. Die Färöer gehören weggeputzt.

Toni lässt es polstern - vor 55.000 Argentiniern   

Gleiches gilt entsprechend für Österreich am Dienstag darauf. Das Team Österreich ist natürlich etwas weniger klein als das des Inselstaates. Entsprechend setzte es da auch schon saftige Pleiten für Deutschland. Wenn der Blick in die Chronik stimmt, zuletzt im Oktober 1986. Damals fanden sich aus mir unerfindlichen Gründen in Buenos Aires 55.000 Argentinier ein, um das Freundschaftsspiel der beiden Nachbarn anzugucken.

Aber sie schienen geahnt zu haben, dass sie Zeuge eines großen Spiels werden sollten. Zur Halbzeit stand es 0:0, der Gaucho auf der Tribüne dürfte zu dem Zeitpunkt seine Entscheidung bereut haben, das Estadio José Amalfitani an diesem Abend aufzusuchen. Doch in der zweiten Halbzeit machte der 22-jährige Toni Polster einen ersten großen Schritt, “Toni Doppelpack” zu werden und traf – zweimal. Nur eine Minute nach Polsters zweitem Treffer bekam Lothar Matthäus die Rote Karte, den zwischenzeitlichen Ausgleich schoss Rudi Völler.

Wie auch immer das Spiel am Dienstag ausgeht. Gespielt wird in Wien und nicht in Buenos Aires. Eine wunderbare Strecke, um den frisch vom Band gerollten Mannschaftsbus der Nationalelf einzufahren. Und weil der bestimmt auch eine Toilette an Board heißt, kann die Devise nur lauten: Pause gemacht wird nicht.

Update: Es kam mir ja schon spanisch vor: Österreicher und Deutsche in Argentinien. Aber wie das so ist, bei der Netzrecherche, man traut der Quelle, die man kennt. In meinem Fall waren das die guten Leute von fussballdaten.de. Natürlich war das Spiel ´86 in Wien und nicht in Buenos, wie mich aufgeregte Zeitzeugen eines Besseren belehrt haben. Alles andere stimmt -wahrscheinlich. Weil Buenos Aires aber dem Unterhaltungswert der Story wesentlich besser zu Gesicht steht als Wien, lass ich das mal unkorrigiert. Das soll aber nicht Schule machen.

Bild: imago, Screenshot: kicker.de

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