Ein Leben mit zwei Frauen

Über das Fremdgehen mit einem Zweitverein

Gordon im Nebel

Ich bin verheiratet. Fast seit ich denken kann. Verheiratet worden, als ich ein kleines Kind und leicht manipulierbar war. Aber es war keine Zweckehe oder Zwangsheirat. Ich hatte mich tatsächlich in die mir zuvor Unbekannte verliebt. Die Frau war aufregend und wild, glamourös und verrucht zugleich.

Düsseldorf im Februar 2012. Die Luft voll Gift und Galle, Feuer und Rauch.

Doch dem Exzess folgte der Absturz. Meine Braut musste dem wilden Leben Tribut zollen und landete in der Gosse. Ich konnte nur hilflos zusehen, wie sie vor sich hinsiechte. Um Jahre gealtert, ein Schatten ihrer selbst. Der Lack war ab, meine Gefühle aber weiterhin stark.

Es kam der Tag, da musste ich mein Weib zurücklassen. Mein Herz jedoch, das blieb bei ihr. Ich besuchte sie, mal trafen wir uns in fremden Städten. Und von Jahr zu Jahr ging es ihr besser. Ein neues Heim hatte sie schon lang, sie lernte Menschen kennen, die es gut mit ihr meinten. Ich, wir waren glücklich.

Für mich begann ein neuer Lebensabschnitt. In einer neuen Stadt, mit neuen Leuten, neuen Frauen. Eine war meiner großen Liebe ganz ähnlich: Mehr als einmal im Leben gescheitert, verlebt, die großen Tage sind längst verblasste Erinnerungen. Aber auch sie schaffte es, ihr schwer gezeichnetes Inneres in einem frischen, attraktiven Äußeren zu gewanden. Der mehr als zweite Frühling, und der war ziemlich heiß.

Aus einem Flirt wurde eine heftige Affäre

Man sagt: Gelegenheit macht Diebe und die Gelegenheit war günstig. Ihre Wohnung nur eine handvoll U-Bahn-Stationen entfernt, die Gattin hunderte Kilometer. Ich wurde schwach. Und aus einem kleinen Flirt wurde eine heftige Affäre. Die lief gut. So gut, dass ich meine Fremdgeherei offen und unumwunden zugab. Doch anstatt gerügt zu werden, wurde mir auf die Schulter geklopft. Meine Dame in der Heimat genoss hier wenig Ansehen.

Ich arrangierte mich mit der Situation, ständig die Gefühle sortierend: Hier das kleine Abenteuer, da das Fundament. Sämtliche Selbstzweifel räumte ich beiseite, ich machte mir was vor: „Die wissen ja voneinander, die kennen sich, aber die kommen sich schon nicht in die Quere.“

Doch der Tag kam. Als hätte meine Frau von meiner Freundin erfahren, erlebte sie einen Zusammenbruch, wie man ihn nicht geahnt hätte und stürzte mit einem Mal wieder hinab in die Kreise, von denen sie sich lange entfernt wissen wollte – die Kreise, in denen meine Romanze sich neuerdings nur zu wohl fühlte. Dass sie sich jetzt über den Weg laufen würden, wurde unvermeidlich.

Aus gestandenen Damen wurden zänkische Weiber

In der naiven Hoffnung, sie würden sich schon verstehen, stellte ich beide einander vor. Sie verhielten sich auch wie die Frauen von Welt, die sie mal waren. Stolz. Sie gaben sich keine Blöße, bewiesen ihre Stärken, zeigten kaum Schwächen. Erhobenen Hauptes gingen sie ihres Weges. Ich war erleichtert.

Doch beide wurden mächtiger. Ihnen wurde bewusst, dass die jeweils andere zu einer ernsten Konkurrentin heran gewachsen ist. Und aus gestandenen Damen wurden zänkische Weiber. Die Anfeindungen eskalierten. Keine zeigte die Größe, zurückzustecken oder Sachlichkeit zu bemühen. Sie verabscheuten sich.

Wir mussten uns einer zweiten direkten Konfrontation stellen: Ich mit meiner Ehefrau in der Wohnung meiner Affäre, am Ort meines Fehltritts. Gift und Galle lagen in der Luft, Feuer und Rauch kamen dazu. Es eskalierte, doch keine der beiden ging zu Boden.

Der Nebel verzog sich, ich konnte wieder klar sehen. Die beiden Frauen in meinem Leben gingen auf Augenhöhe auseinander. Und dennoch gemeinsam in eine bessere Zukunft.

Heißt: Mir steht der ganze Mist nochmal bevor. Am Freitag. In Düsseldorf.

 Bild: imago

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