Die Wahrheit über „die Wahrheit von Hillsborough“

Über 20 Jahre nach der Stadion-Katastrophe erfahren die Opfer Gerechtigkeit

Hillsborough-Gedenken

„Deutsche Presse, halt die Fresse“, schallt es aus vielen Internet-Foren, in denen Fußball-Fans die mediale Darstellung ihrer Kultur diskutieren. Missverstanden und falsch dargestellt fühlen sie sich. Welche makaberen Formen Fehlinformation und Voreingenommenheit gegenüber Fußball-Fans annehmen können, belegt das Beispiel des englischen Boulevard-Blattes „Sun“ bei der Berichterstattung über die Stadion-Katastrophe von Hillsborough.

Was hier Anfang des Monats ans Licht kam, ist an Abscheulichkeit kaum zu überbieten und zeigt, wie sehr Schlagzeilen Menschen zu Unrecht belasten und verletzen können. Es geht um die Aufarbeitung der wahren Umstände der Hillsborough-Katastrophe.

Volle Solidarität – Der FC Everton, Lokalrivale des FC Liverpool, gedachte nach den neuen Erkenntnissen vergangene Woche beim Spiel gegen Newcastle erneut der 96 Toten.

Der Verlauf eines Unglücks

Am 15. April 1989 stieg im Hillsborough-Stadion in Sheffield das FA-Cup-Halbfinale zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest. Der Liverpooler Fan-Block war schon lange vor Anpfiff zum Bersten gefüllt. Das hinderte allerdings Niemanden daran, immer mehr Fans hineinströmen zu lassen.

Der Ansturm konnte nicht kontrolliert werden, da gleich zwei Tore zum Block geöffnet waren, um dem Andrang Herr zu werden. Der Mittelblock hielt nicht mehr stand, und immer mehr Fans wurden an die vorderen Zäune gedrängt. Als nun – viel zu spät – die Tore zum Spielfeld geöffnet wurden, wurden die Fans auch noch vom Ordnungspersonal daran gehindert, in Richtung Spielfeld und damit in Sicherheit zu laufen. Zum einen wahrscheinlich, weil das Spiel bereits begonnen hatte, zum anderen, da sich der Liverpool-Anhang, vor allem durch die Katastrophe von Heysel, bereits einen gewissen Ruf „erarbeitet“ hatte.

Es kam zur größten Tragödie im britischen Fußball: 96 Menschen fanden an diesem Nachmittag den Tod. Unter ihnen, auch ein Cousin des heutigen Kapitäns des FC Liverpool, Steven Gerrard.

“English Press full o‘ Mess” 

Als wäre das alles nicht grausam genug, behauptete die „Sun“ nach der Katastrophe unter der Schlagzeile „Hillsborough the Truth“ („die Wahrheit“), dass die Fans des FC Liverpool die Schuld für das Unglück tragen würden, da betrunkene Chaoten in den Block gedrängt und somit die Arbeit der Polizei und der Rettungskräfte erschwerten hätten. Weiter schrieb das Blatt, dass die eigenen Fans die Toten noch beraubt und sogar auf sie uriniert hätten. Es berief sich damals auf die Aussagen eines Polizeisprechers. Mehr als ein Schlag ins Gesicht aller Opfer, Angehörigen und Liverpooler Bürger.

All diese Aussagen wurden nun Anfang des Monats als klare Lügen aufgedeckt, als der Bericht einer unabhängigen Kommission unter dem Vorsitz des Bischoffs von Liverpool veröffentlicht wurde, den sie in den letzten zwei Jahren erarbeitet hatte. Hierfür wurden mehr als 400.000 Dokumente gesichtet und verglichen. Die Essenz ist mit dem Wort „erschreckend“ schon gar nicht mehr ausreichend beschrieben.

Es stellte sich heraus, dass die Ordnungskräfte sowie die Polizei massive Fehler begangen haben, wonach mindestens die Hälfte der Opfer hätte überleben können. Und als wäre dies nicht schon schrecklich genug, stellte sich weiter heraus, dass Polizeiberichte wissentlich gefälscht wurden, um die Schuld dem Liverpool-Anhang zuzuweisen.

Alle, die damals kein gutes Haar am FC Liverpool gelassen haben, kommen nun hervor, um sich mit größter Demut beim FC sowie der Stadt Liverpool zu Entschuldigung. Etwas zu spät, wenn man bedenkt, dass Hillsborough der Tropfen war, der das Fass im englischen Fußball zum Überlaufen brachte. Nach der Katastrophe wurde der Taylor-Report in Auftrag gegeben, der unter anderem zur Folge hatte, dass es in englischen Stadien heute keine Stehplätze mehr gibt.

Und die „Sun“? Auch die entschuldigte sich natürlich umgehend. Der damalige Chefredakteur sagte: „Die Schlagzeile damals hätte besser ,The Lies´ als ,The Truth´ lauten sollen.“ Aber auch das wird die „Sun“ in Liverpool nicht mehr retten, deren Auflage sank nach der Katastrophe von 400.000 auf ungefähr 12.000. Bleibt für mich – im Namen aller Fußball-Fans – nur zu sagen: „You‘ll never walk alone“

Bilder: imago

Zum Weiterlesen:

http://www.bbc.co.uk/news/uk-england-19582072

http://www.11freunde.de/artikel/der-kampf-um-die-wahrheit-von-hillsborough

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