Die schönste Zeit des Jahres?

Wie Tiki-Taka und Catenaccio den Sommerurlaub vermiesen

klein

Nun beginnt sie wieder, die schönste Zeit des Jahres. In den Sommerferien zieht es wie üblich viele Deutsche ans Mittelmeer. Hoch im Kurs der Socken in Sandalen tragenden Teutonen stehen da traditionell die Strände Spaniens und Italiens. Außer schönen Stränden und tollem Wetter ist beiden Ländern aber noch etwas gemein: Sie machen Deutschland seit Jahrzehnten im Fußball das Leben schwer.

Es ist wohl nicht allzu kühn zu vermuten, dass nun Italien und Spanien die Teams sind, auf die „wir“ bei der EURO noch treffen werden – vorausgesetzt natürlich, Spanien gewinnt sein Halbfinale gegen Portugal (auch ein beliebtes Urlaubsland der Deutschen) und die DFB-Elf gegen Italien.

Tiki-Taka d‘España

Spanien ist der zu Recht amtierende Welt- und Europameister. Die Iberer pflegen ein schön anzusehendes Kurzpassspiel, das ihnen häufig eine Ballbesitzquote von 70 Prozent und mehr einbringt. Oft war dies in der Vergangenheit jedoch brotlose Kunst. Doch die Generation um Xavi und Iniesta beweist, dass man damit durchaus erfolgreich sein kann. Bei dieser EURO spielt das Team von Coach del Bosque sogar mitunter ohne nominellen Stürmer, dafür aber mit einem Sechser-Mittelfeld, das offensiv und defensiv sehr variabel agiert.

Die Statistik der Deutschen gegen Spanien ist ernüchternd. Seit 1988 konnte die DFB-Elf kein Pflichtspiel mehr gewinnen. In dieser Zeit trat die Bundes-Auswahl insgesamt sechsmal gegen die “Furia Roja” an und konnte nur das Jubiläumsspiel zum 100-jährigen Bestehen des DFB gewinnen. Spanien zermürbt mit seiner Ballsicherheit den Gegner, der gezwungen ist, viele Wege umsonst zu laufen – das frustriert. Keine Mannschaft hat so viele Spieler in ihren Reihen, die den sogenannten „tödlichen Pass“ in die Schnittstellen der Abwehr spielen können, was zu permanenter Torgefahr führt. Trotzdem hat die Europameisterschaft – insbesondere das 1:1 gegen Italien – auch gezeigt, dass ein zu dichtes Mittelfeld den Spaniern Probleme bereitet. In einem eventuellen Finale könnte das der Strohhalm im Sangria-Eimer sein.

Uwe Seeler und Giacinto Facchetti beim Halbfinale der WM 1970.Bis heute eines der besten Spiele der Geschichte                                                                              

Cattenacio d’Italia

Doch bevor es soweit ist, warten eben jene Italiener, die dem Titelverteidiger in einer beeindruckenden Leistung ein 1:1 abgetrotzt haben. Hinzu kommt, dass die Statistik gegen die Squadra Azzurra ebenfalls alles andere als rosig ist. Nie konnte die DFB-Elf in einem Turnier gegen Italien gewinnen – 1970,1982 und 2006 war jeweils Endstation. Ihr Spielsystem ist traditionell das komplette Gegenteil der Spanier. Der Jahrzehnte alte Catenaccio basiert auf einer gestärkten Abwehr, während es nicht so sehr auf Ballbesitz, sondern darauf ankommt, erst mal kein Tor zu kassieren und vorne irgendwie auf einen Treffer zu hoffen. Diese Spielweise ist für den Gegner alles andere als „Dolce Vita“. Im ersten Vorrundenspiel gegen Spanien war dies genau der Fall. Doch erst am Sonntagabend zeigte die Auswahl um den brillanten aber defensiv schwächeren Andrea Pirlo ihr weniger bekanntes Gesicht. Biedere Engländer wurden fast 120 Minuten lang an die Wand gespielt und – wenn auch erst im Elfmeterschießen – verdient geschlagen. Gegen die bislang so überzeugende deutsche Offensive darf man aber erwarten, dass Cesare Prandelli eher wieder den Betonmischer anschmeißt.

Nichtsdestotrotz sollte die „Goldene Generation“ des DFB diesmal in der Lage sein, diesen zu knacken. Dann wird sich zeigen, ob die Mannschaft endlich das Selbstbewusstsein hat, Spanien auf Augenhöhe und mit mutigem Offensivfußball entgegenzutreten. Sollten wir das Finale dennoch nicht spielerisch lösen können, bleibt uns ja immer noch die Möglichkeit den Sommerurlaub zu verschieben. Kroatien soll auch ganz schöne Strände haben.

Bild: Imago

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Login with Facebook:
Anmelden