Können Abstiege cool sein?

2. Liga macht nur in der Momentaufnahme Spaß

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Auch Eintracht Frankfurt hat den Aufstieg eingetütet. Es mag an der Rest-Euphorie liegen, die mir seit Montagabend noch in den Klamotten hängt, aber als Anhänger bin ich fast geneigt zu sagen: War ja doch ein cooles Jahr. Aber geht das? Können Abstiege cool sein?

Die Eintracht gewann dann doch nicht jedes Spiel

Eintracht-Macher Heribert Bruchhagen würde wild werden ob dieser Frage. Um Jahre seiner Entwicklung und x Millionen ist der Verein zurückgeworfen, würde er sagen. Da hat er wahrscheinlich Recht. Aber glücklicherweise teilt man als Fan nicht immer die Perspektive des Vorstandes. Als Fan genießt man die Momentaufnahme.

Also, was war cool in diesem Jahr 2. Bundesliga? Gefühlt wurde jedes Spiel gewonnen. Nach einer Erstliga-Saison, in der jedes Rückrundenspiel verloren wurde, macht das Spaß. Dass der verordnete Wiederaufstieg recht souverän geschafft wurde, wo der Club doch jederzeit für das ganz große Drama gut ist, ist auch cool.

Klar, die Gegner hießen FC Ingolstadt und Erzgebirge Aue, boten wenig Flair und mitunter noch weniger Zuschauer. Mit einem großen Namen und einem im Verhältnis noch größeren Budget wurde man der “FC Bayern der 2. Liga”. Der FC Bayern will streng genommen auch in Frankfurt niemand wirklich sein. Mit entsprechender Erfurcht betrachtet zu werden, das vermisste man in “Mainhattan” allerdings schon länger.

Junge Spieler konnten sich in den Vordergrund und zu neuem Selbstbewusstsein spielen (Sebastian Rode, Sonny Kittel), Altgediente ihren Stellenwert unterstreichen (Alex Meier, Benni Köhler). Wiederum andere konnten verdeutlichen, dass sie auch für die 2. Liga unbrauchbar sind und nun endgültig gehen dürfen (Korkmaz, Caio, Bellaid). Cool war auch, den Verein x-mal in der Saison im frei empfangbaren TV live sehen zu können. Die Montagabendgestaltung fiel schon reichlich schlechter aus.

Wer jedoch häufiger das Team im Stadion und nicht im TV sehen wollte, für den waren die Anstoßzeiten natürlich extremst unangenehm. Uncool war es natürlich auch, dass der ein oder andere, den man gerne weiter im Team gesehen hätte, 2. Liga ebenfalls uncool fand und den Club wechselte. Am Grabbeltisch mussten stattdessen Spieler geholt werden, von denen man weiß, dass sie für ein bisschen Geld jedes Trikot anziehen. Und nun war es eben das Schwarz-Rote…

Abstiege könnten auch dann wiederum cool sein, wenn aus neu entfachter Euphorie, mannschaftlicher Geschlossenheit und ähnlichen Sachen einige große Erstliga-Jahre hervorgehen. Der 1. Fc Kaiserslautern wurde 1998 so Deutscher Meister. Hertha BSC Berlin wollte ähnliches, steigt allerdings gerade direkt wieder ab. In Frankfurt weiß man noch nicht, wo die Reise hingeht. Aber in einem Punkt ist man sich am Riederwald sicher: Nie wieder 2. Liga! Und das ist gut so!

Bild: imago

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