Glückwunsch zum 50., altes Oberhaus!

Die Bundesliga feiert Jubiläum

Liga-Gesicht Rauball

Die Bundesliga präsentiert sich dieser Tage, wie es sich für einen 50-Jährigen auch gehört. Wirtschaftlich bestens aufgestellt, äußerst vital und mit den ersten grauen Schläfen ständig attraktiver werdend. Doch hier und da zwickt es. Wo darf der Jubilar weitermachen wie bisher, wo darf er sich verbessern und wovon sollte er tunlichst die Finger lassen?

Reinhard Rauball darf sich als DFL-Präsident über eine gesunde Liga freuen.

50+1-Regel: Verhindert bislang Chelsea-ähnliche Zustände in der Bundesliga. Mannschaften wie 1899 Hoffenheim oder die Werksmannschaften aus Leverkusen und Wolfsburg  unterlaufen allerdings gekonnt das Reglement, an dem immer wieder – vor allem von Hannovers Martin Kind – hartnäckig geknabbert wird. Wir sagen: Liebe Liga, auch im Alter immer schön standhaft bleiben! Wie das geht, Pelé fragen.

Eintrittspreise: In keiner Liga strömen so viele Fans ins Stadion wie in Deutschland. Nun sagen Viele, dass die Stadien immer noch so voll wären, selbst wenn die Tickets zwei, drei Euro teurer wären. Das stimmt wahrscheinlich. Aber es ist nicht nur wichtig, wie viele Leute ins Stadion gehen, sondern vor allem auch welche. England ist da das viel bemühte, mahnende Beispiel, was passiert, wenn sich nur noch gut situierte Menschen ein Fußball anschauen können. Bundesliga, altes Oberhaus, lass die Preise, wo sie sind, und bleib die Stimmungskanone, die du bist.

Pyrotechnik: Alternde Menschen neigen vermehrt zu gesteigerter Vorsicht. Die Liga scheinbar ebenfalls. Daher wohl schlechte Aussichten für Leuchtfeuer-Freunde.

Anstoßzeiten: Im Alter gibt es das Phänomen seniler Bettflucht, die Betroffene morgens um 4 aus den Federn treibt. Liga zwei ist mit samstäglichen Anstoßzeiten um 13 Uhr davon zwar etwas akuter betroffen, dennoch bleibt zu hoffen, dass Liga eins von zumindest den Status Quo wahrt und etwas länger ausschlafen kann.

Auslandsvermarktung: Die Liga zieht´s im Alter in die Ferne. Händeringend versucht sie in Fern-Ost, Indien oder der arabischen Welt eine neue Existenz aufzubauen. Wilde Anstoßzeiten zuhause und noch wildere Promo-Tourneen für die Clubs sind die Folge. Ersteres missfällt den Fans, Letzteres eher den Kickern.

TV-Gelder: Ausschlaggebend dafür, dass Spanien und England noch um Einiges potenter sind. Einem etablierten Pay-TV-Markt sowie lukrativeren Vertragsabschlüssen im Ausland sei Dank. Da sich das Bezahlfernsehen in Deutschland partout nicht durchsetzen will und La Liga und Premier League an den umworbenen ausländischen Märkten als Platzhirsche grüßen, wird die Bundesliga noch ein Weilchen hinterher hinken. Aber der jüngste Kontrakt war ja schon ein sehr ordentlicher. Die DFL ist auf einem guten Weg, muss aber Verlockungen wie den obigen wiederstehen

Sponsoring: In Sachen Werbeeinnahmen gilt die Liga europaweit als Vorbild. In keiner Klasse wird so viel Geld durch Sponsoring eingenommen wie in Deutschlands höchster. Aber wo ist das Maß des Erträglichen für den Zuschauer erreicht? Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Kreativität findige Vermarkter, zusätzliche Einnahmequellen rund um ein Fußballspiel zu erschließen, kaum Grenzen gesetzt sind. Manni Breuckmann hat mal gesagt, „Wenn die Eckfahne irgendwann ,Nutella-Eckfahne´ heißt und ich das auch noch sagen muss, höre ich auf…“  Inzwischen hat Manni aufgehört. Wir befürchten das Schlimmste.

Relegation: Vor wenigen Jahren entdeckte die Liga den 80er Retro-Trend für sich und führte die Relegation wieder ein. Dieses Jahr war´s gute Unterhaltung. Hertha und Fortuna boten das ganz große Kino. Das hatte sich die DFL durch die Wiedereinführung auch erhofft, um dann zu merken, dass sie Pandoras Büchse geöffnet hat. Hertha und Düsseldorf müssen jetzt dafür bluten, dass die DFL das Spektakel bekam, was sie herauf beschworen hat. Aber nicht nur deswegen darf die Relegation gerne wieder in die Mottenkiste: Der Modus weckt oft das Ungerechtigkeitsempfinden, dass Vereine mit einem bis zwei Spielen eine komplett schlechte Saison ausbügeln, beziehungsweise eine überragende noch in den Sand setzen können. Also, liebe Liga: Als 50-Jährige solltest du doch jetzt so gefestigt sein, um nicht mehr auf Trends aus deiner Jugend aufspringen zu müssen. Ganz früher, in deiner Kindheit, da war alles gut.

Liga-Aufstockung: Schwierige Sache. Die einen wünschen sich mehr Durchlässigkeit für die Liga. Die könnte durch eine Aufstockung auf 20 Clubs bei vier Absteigern (Relegation für den 16.?) erreicht werden. Bei der Qualität der Zweitligisten wäre ein wachsendes Leistungsgefälle im Oberhaus wohl eher nicht zu befürchten. Dann gäb´s zudem vier weitere zu vermarktende Spieltage, die ein paar zusätzliche Euro einbrächten. Auch damit wären Einige glücklich gestimmt. Doch Aktive und Sportverantwortliche beäugen die Belastung der Spieler und die Dichte des Spielplans ohnehin kritisch. Noch sind diese Stimmen stark. Nimm dir die Zeit, Liga, und triff deine Entscheidung mit Bedacht.

Play-Offs/Meisterschaftsendspiel: Murks. Wenn es Irgendjemandem im Sommer zu warm wird, hin und wieder mal vorgetragen. Aber die Sommer sind ja zum Glück ohnehin nicht mehr so heiß wie früher.

Free-TV: Rechte-Vermarkter im Ausland lachen sich wahrscheinlich schlapp über Sportschau, Sportstudio und Co. Nicht wissend, dass die Verbannung der Bundesliga aus dem Öffentlich Rechtlichen wohl einer der letzten Gründe ist, der die Deutschen auf die Straße treiben würde. Bei jedem neuen Vertragsabschluss wird gezittert, dass doch ein ominöser Anbieter die Milliarden hinlegt, dass man Fußball nur künftig noch auf dem Handy gucken kann. Aber der jüngste Vertragsabschluss beruhigt. Die Liga weiß, wenn unsere TV-Gebühren irgendwo richtig angelegt sind, dann bei ARD und ZDF.

Bild: imago

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Login with Facebook:
Anmelden